Gegen den Strom

Von Einsiedeln nach Rottenburg

17. – 22. Juni 2019 – Ein Erfahrungsbericht von Ruth + Christoph Hartgens

Nachdem wir den Bericht im Einsiedler Anzeiger über den Pilgerradweg «MeinRadWeg» gelesen haben, war für uns klar, den wollen wir «beradeln.» Warum zuerst die Fahrräder mit dem Zug nach Rottenburg transportieren, wenn man direkt vor der Haustüre losfahren kann? So starten wir unser Abenteuer «gegen den Strom» am Sterbeort vom hl. Meinrad in Einsiedeln, nach Fischingen, Insel Reichenau, Beuron, Hechingen zu seinem Taufort Rottenburg am Neckar. Eigentlich wie der hl. Meinrad dazumal; von zuhause fort in die Fremde.

1. Etappe, Einsiedeln-Fischingen ca. 60km

Haustüre abschliessen, das Nötigste in zwei Fahrradtaschen verpackt und ab zum Bahnhof in Einsiedeln wo wir vorsichtshalber das Retourbillett Rottenburg-Einsiedeln kaufen. Schon kommt die erste freudige Überraschung; findet der Bahnangestellte für uns doch ein Superspar-Billett für Fr. 29.00 pro Pers. exkl. Fahrradbillett.

Zum Start unserer Tour entzünden wir in der Klosterkirche eine Kerze, bitten um eine unfallfreie Reise, dann noch ein erstes Selfie vor der Klosterkirche und los geht es.

Richtung Horgenberg, beim Segelplatz links abbiegen, über die Teufelsbrücke hoch zum St. Meinrad auf dem Etzel. Bis nach Pfäffikon alles der Passstrasse folgen, auf der man automatisch auf die Fahrradroute Nr. 9 kommt. Dieser schöne Weg führt uns zuerst nach Rapperswil, danach alles dem Obersee entlang, vorbei am Kloster Mariazell in Wurmsbach bis nach Oberbollingen. Dort bekommen wir im Garten der schönen «Wirtschaft zum Hof» ein feines Mittagessen aufgetischt. Gleich daneben befindet sich die idyllisch gelegene Meinrads Kapelle.

Bei der Werft in Oberbollingen fahren wir links durch eine Unterführung, (Vorsicht Kopf einziehen.) Danach durch den Wald Richtung Eschenbach, Bürg, Wald immer der Fahrradroute Nr. 53 durch s`Fischenthal entlang. Dank unseren motorisierten Bikes kommen wir gut gegen den starken Gegenwind an. Leider führt diese Route, der Hauptstrasse entlang.

Bei Steg i.T. rechts halten, hoch auf die Hulftegg. Danach folgt eine rasante Abfahrt nach Fischingen, wo wir im Kloster sehr freundlich empfangen werden. Mit einem feinen Klosterbier stossen wir im wunderschön gelegenen Klostergarten auf unser erstes Etappenziel an.

2. Etappe, Kloster Fischingen-Insel Reichenau ca. 60 km

Nach einem reichhaltigen Frühstück starten wir unsere zweite Etappe. Zuerst besuchen wir noch die Klosterkirche, in welcher die schöne Iddakappelle integriert ist. Natürlich wird auch hier eine Kerze entzündet und auch das Selfie vor der Kirche darf nicht fehlen.

Von Fischingen bis nach Kreuzlingen fährt man alles der Radroute Nr. 41 entlang, welche zugleich auch eine Etappe des Jakobswegs ist. Diese führt uns durch malerische, abwechslungsreiche Landschaften, schmucke Dörfer mit wunderschönen Riegelbauten. In Bussnang machen wir einen Stopp bei den beiden, schon von weitem sichtbaren Kirchen. Eindrücklich, wie die katholische und die reformierte Kirche durch eine schöne Baum-Allee miteinander verbunden sind.

Per Zufall, weil wir ein Restaurant zum Essen suchen, entdecken wir in Berg das Tertianum Schloss Berg. Als wir dort die grosse Gartenterrasse betreten, fühlen wir uns im Paradies. Diese Ruhe, dieser wunderschöne Park mit den uralten Bäumen und dem Teich. Ein Traum! Ein absoluter Geheimtipp unsererseits. Da das Schloss als Wohn- und Pflegezentrum genutzt wird, gibt es nur bis ca. 13.00 Uhr eine kleine Auswahl zu essen. Dieses ist aber sehr gut und günstig.

Nach längerem Verweilen im Schlosspark geht’s weiter nach Alterswilen, wo wir auf einen traumhaft schönen Seerosenteich stossen, in dem sich eine Schwanenfamilie heimisch fühlt.

Beflügelt von so viel Schönheit radeln wir zügig nach Kreuzlingen wo der Radweg 41 endet.

In Konstanz wollten wir uns eigentlich ein Gellati gönnen, doch nach all den wunderbaren, stimmungsvollen, ruhigen Eindrücken durch den Tag, sind wir von den vielen Leuten dort völlig «überrumpelt» und wollen nur noch weg. Nicht einmal das Münster haben wir besichtigt. Dank GPS finden wir schnell den richtigen Radstreifen, welcher uns die letzten Kilometer bis zur Insel Reichenau führt. Im Touristenbüro fragen wir nach einem Hotelzimmer, die sind allerdings gut ausgebucht, da in Deutschland Pfingstferien sind. Wir haben Glück, können sogar eines mit Seesicht auswählen. Was wir nicht wissen, die ganze Nacht «dürfen» wir gefühlten hunderttausend Fröschen bei ihrem Konzert zuhören. Ohropax wären von Vorteil.

Tertianum Schloss Berg
Seerosenteich in Alterswilen

3. Etappe, Insel Reichenau-Beuron ca.75 km

Bei strahlendem Sonnenschein nehmen wir unsere dritte Etappe unter die Räder. Natürlich darf auch hier vor dem Start die Kerze im Münster und das Selfie vor dem leuchtroten Mohnblumenfeld nicht fehlen.

Schon geht es über den Damm auf`s Festland, wo wir leicht den Radweg Richtung Radolfzell finden. Hier geht es gemütlich alles dem Bodensee entlang, am Kloster Hegne vorbei, durchs schmucke Städtchen Allensbach nach Radolfzell. Ein kurzer Abstecher in die Altstadt und das Münster ist lohnenswert. Weiter auf dem Radweg Richtung Stahringen, Wahlwies, Orsingen. Vor Orsingen steht einsam die liebliche Oberhofen-Kapelle mitten auf dem Feld. Ein Ort, um die Seele etwas «baumeln» zu lassen.

Nach der kurzen Rast geht’s weiter auf einem tollen Radweg durch schöne Felder nach Eigeltingen, Liptingen, Neuhausen ob Eck. Wir fahren von dort durch den Wald Richtung Buchheim, danach rasant der Strasse entlang nach Beuron zum Kloster. (Von Neuhausen ob Eck könnte man auch nach Fridingen, der Donau entlang, wo man dann über die historische Holzbrücke nach Beuron kommt.)

Leider sind alle Zimmer im Kloster besetzt, da anderntags Fronleichnam ist.
In der Pension Donauhaus bekommen wir aber ein sehr schönes, ruhiges Zimmer. Den wunderbaren Garten dürfen wir mitbenutzen.

4. Etappe, Beuron-Hechingen ca. 85 km

Auf Anraten unserer Gastwirtin nehmen wir nicht den direkten Weg der Strasse entlang ins Bärenthal, sondern fahren auf dem Fahrradweg Richtung Jägerhaus, Fridingen alles der Donau entlang. Der ist zwar länger, lohnt sich aber auf jeden Fall.

In Fridingen Richtung Bahnhof fahren und schon sehen wir den Wegweiser Richtung Nusplingen, Bärenthal. Auf angenehmen Radwegen fahren wir durch die Ortschaften Nusplingen, Unter- Oberdigisheim, Tieringen alles der oberen Bära entlang. Von dort geht es über die Schwäbische Alb runter nach Balingen. Leider ist ab Tieringen der Radweg nicht mehr so gut markiert. Von Balingen fahren wir weiter nach Bisingen. Dort sehen wir schon die Burg Hohenzollern welche dominant auf einem Hügel thront. Mit unseren E-Bikes nehmen wir den steilen Anstieg zur Burg in Kauf, was sich absolut lohnt.

Nicht nur die Burg selber ist sehr schön, wir geniessen auch die tolle Aussicht. Nach der rasanten Abfahrt von der Burg, fahren wir direkt nach Hechingen, unserem heutigen Etappenziel. Leider hat es im Bildungshaus St. Luzen, welches sehr schön gelegen ist, kein freies Zimmer mehr. Im Dorfkern finden wir zum Glück noch ein gemütliches Hotelzimmer zum Übernachten.
(Pfingstferien, Brückentag Fronleichnam, Betten sind gut ausgebucht.)

5. Etappe, Hechingen-Rottenburg, ca. 23 km

Heute nehmen wir unsere letzte kurze Etappe unter die Räder. Zuerst erkunden wir aber Hechingen zu Fuss. Früher war das mal ein sehr schönes, florierendes Dorf wo die Textilindustrie boomte. Leider sind die «rosigen» Zeiten längst vorbei, was man gut an den leerstehenden Ladenflächen und den z.T. heruntergekommenen Häusern sieht.

Nachdem wir in der Stiftskirche wieder eine Kerze angezündet und unser obligatorisches Startselfie geschossen haben, geht es los nach Rottenburg. Wiedermal auf einem wunderschönen Radweg, mitten durch üppige Getreidefelder.

Wir fahren an Bodelshausen, Hennendorf, Weiler vorbei Richtung Rottenburg.
Schon nach kurzer Zeit haben wir unser Ziel erreicht. Ehrfürchtig, stolz und dankbar stehen wir in Rottenburg vor dem Dom St. Martin. Bewusst fahren wir noch nicht zur Sülchenkirche, denn wir haben uns entschieden noch eine kurze letzte Etappe am morgigen Abreisetag anzuhängen. So bleibt uns viel Zeit, das schöne Städtchen Rottenburg mit all seinen Gassen und Kaffees ausgiebig zu erkunden.

Abschlussetappe, Sülchenkirche-Horb ca. 25 km

Völlig vom Fahrradfieber gepackt, haben wir beschlossen, von Rottenburg bis nach Horb zu radeln. Dort müssten wir sonst vom Regio in den Schnellzug nach Zürich umsteigen.

Nach dem letzten sehr feinen Frühstück fahren wir zur Sülchenkirche. An diesem Ort ist der Hl. Meinrad getauft worden.

Eine sehr schöne, kraftspendende Kirche. Eine Treppe führt im Innern der Kirche in die Unterkirche, wo ein Teil davon als Grablege der Rottenburger Bischöfe genutzt wird. Eindrücklich ist auch der Friedhof mit den z.T. uralten Gräbern.

Von hier aus starten wir unsere «allerletzte» Etappe Richtung Horb. Mitten durch die Altstadt von Rottenburg und schon sind wir auf dem Radweg, welcher uns immer entlang der Neckar zum Bahnhof Horb führt. Hier bleibt uns noch genügend Zeit auch diese kleine schöne Stadt zu erkunden.