Pilgerbericht Ehepaar Stegmann im Corona- und Regen-Sommer 2021

12.07.2021

Vom 28. Juni bis 2. Juli 2021 waren Dirk und Annelen Stegmann aus Mülheim an der Ruhr auf dem MEINRADWEG unterwegs. Freundlicherweise haben die beiden Meinradpilger aus Nordrhein-Westfalen einen Reisebericht verfasst und zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Der Bericht macht deutlich, dass der MEINRADWEG auch in der Coronazeit und in einem wettermässig sehr unsicheren Sommer machbar ist, dadurch aber auch einige Überraschungen bereithält.

Vorbereitung

Wir sind per Zufall auf den Meinradweg gestoßen und waren gleich von der Tour begeistert, denn sie verbindet sowohl kulturell als auch architektonisch außergewöhnliche Anfahrstationen mit einer sportlich attraktiven Fahrstrecke.

Als dann im Mai der ausführliche Pilgerführer erhältlich war, haben wir uns den Pilgerweg im Detail angeschaut und mithilfe der ständig aktualisierten Homepage unsere Radtour geplant.

Anhand der aufgeführten Höhenprofile war schnell klar, dass wir unterschiedliche Fortbewegungsmittel nutzen werden: während mein Mann mit einem Trekkingrad die Tour fährt, bevorzuge ich ein E-Bike.

Wir haben alle Übernachtungen vorgebucht und – coronabedingt – auch für jeden Ort ein Testzentrum herausgesucht. Zum Glück brauchten wir final für die Übernachtung keine negativen Tests mehr.

Die Stadt Rottenburg hat uns dankenswerterweise einen Stadtplan mit Parkmöglichkeiten zugesandt, da wir mit unserem Auto angereist sind. Der Parkplatz hinter der Festhalle ist kostenlos und dort haben wir dann auch unser Auto für 6 Tage abgestellt.

Die Rückfahrkarte von Einsiedeln haben wir erst in Konstanz gebucht, da wir zunächst abschätzen wollten, wie wir unterwegs sind. Man muss die Fahrradreservierung aber direkt am Schalter buchen – das geht Online nicht.

1. Etappe: von Rottenburg nach Hechingen

Startschuss für unsere Tour war die Sülchenkirche im Norden von Rottenburg. Hier begann der Lebensweg vom Hl. Meinrad und auch unsere Pilgertour. Wie im Pilgerführer empfohlen, haben wir uns die Tour Online heruntergeladen – so sind wir immer auf der richtigen Spur.
In der Sülchenkirche besichtigen wir auch die eindrucksvolle Krypta und machen vor der Kirche das obligatorische Foto von der Meinrad-Statue.

In Rottenburg gehen wir in den Dom und sind sehr begeistert von den klaren Linien und dem modernen Chorgestühl. Den Pilger-Aufkleber haben wir am Eingang nicht gefunden, aber im Touristenbüro gab es den Pilgerstempel.

Nun begaben wir uns auf den Weg nach Hechingen -mit den ersten Steigungen- und haben schöne erste Eindrücke gewonnen.

Nach dem Ortsteil Stein haben wir noch einen kurzen Abstecher zum Märchenpfad gemacht, bevor wir zur Klosterkirche St. Luzen gefahren sind. Die Klosterkirche ist imposant ausgeschmückt. Besonders imponiert hat uns die aufwendige Orgelbühne. Mit einem weiteren Pilgerstempel im Buch machen wir uns auf den Weg nach Boll, wo wir die erste Übernachtung gebucht haben. Hier haben wir auch den ersten Blick auf die eindrucksvolle Burg Hohenzollern.

Leider konnten wir den großartigen Anblick nicht genießen, da ein Unwetter aufzog und wir gerade noch trocken unser Quartier erreichten.

2. Etappe von Hechingen nach Beuron

Wir hatten extra ein Quartier direkt unter der Burg Hohenzollern gewählt, um frühzeitig den ersten Pilgerstempel in der Burgkapelle abzuholen – aber unsere aufmerksamen Gastwirte wiesen uns daraufhin, dass man nur mit einem vorab-gebuchten Onlineticket für 22 €/Person ab 10:00 Uhr die
Burg besichtigen könnte. Da nach dem Unwetter auch nicht sicher war, ob der Weg zur Burg überhaupt passierbar war, entschieden wir uns, direkt nach Balingen zu fahren.

Die Strecke bis Balingen ist schön und sehr gut befahr- aber kurz vor dem Ortseingang wird es dann schwierig…. Für die Gartenschau 2023 werden am Wasser entlang große Wassergärten angelegt, so dass der vorgegeben Radweg gesperrt ist. Auch in der Innenstadt gibt es Baumaßnahmen, so dass wir uns anhand der Umleitungsschilder zur Pfarrkirche Hl. Geist aufgemacht haben.
Dort angekommen stellten wir allerdings fest, dass die Kirche renoviert wird und somit geschlossen ist. Neben der Kirche ist in einem Glaskubus das Pfarrbüro untergebracht, in dem wir dann unseren Pilgerstempel bekommen haben. Geöffnet war aber die ev. Stadtkirche nur wenige Meter entfernt am Marktplatz. Vor der Kirche befindet sich die Bronzeskulptur „der Alte“.

Balingen hat eine sehr schöne Altstadt mit einer bemerkenswerten Stadtbefestigung.

Auf der Weiterfahrt nach Tieringen machte sich zum ersten Mal der Vorteil des E-Bikes deutlich bemerkbar! Die 20% Steigung sind ohne Antriebshilfe schon recht fordernd. Dafür ist die Anlage und der Friedhof an der ev. Kirche umso schöner.

Von Tieringen ging es wenige Kilometer weiter zur nächsten Radwegkirche nach Nusplingen, wo schon der Eingangsbereich sehr interessant gestaltet ist.

Die restlichen 20 km sind noch einmal eine kleine sportliche Herausforderung, bevor man dann die letzten Meter hinunter zur imposanten Klosteranlage Beuron rollt. Wir konnten aber auch hier den beeindruckenden Anblick nicht genießen, da die ersten Blitze & Donner schon ein kräftiges Gewitter ankündigten…
Rund um die Klosteranlage gibt es viele schöne Wanderwege und der Petersfelsen thront über dem ganzen Tal.

3. Etappe von Beuron zur Insel Reichenau

Die 3. Etappe startet entlang der Donau (die an vielen Stellen über die Ufer getreten ist) und führt bis Neuhausen ob Eck immer wieder bergauf. Die moderne Kirche St. Michael war geschlossen, hat aber den Pilgeraufkleber in einem Glaskasten außen am Eingang.

Auch die wenige Kilometer weiter entfernte Radwegkirche in Liptingen heißt St. Michael, ist aber eine großzügig ausgeschmückte barocke Kirche. Der wunderschöne Brunnen vor der Kirche lädt zu einer kleinen Rast ein.

Nachdem wir uns den Pilgeraufkleber in der nächsten Radwegkirche St. Mauritius abgeholt haben, fährt man entlang gepflegter Golfplätze und durch den Ort Steißlingen zur Kapelle Hl. Kreuz. Das Gelände rund um die Kapelle ist zwar abgesperrt, betreten auf eigene Gefahr aber möglich. Wie aber schon auf der Homepage angegeben, kann man sich den Pilgeraufkleber aus einem Koffer am Eingang der Kapelle holen – die Kapelle selbst ist geschlossen.

Von hier aus geht es nur noch bergab Richtung Bodensee. Wie aber schon an den ersten beiden Rad-Tagen erwarteten uns auch hier wieder die dunklen Wolken am Himmel….

Die nächste Radwegkirche, die moderne St. Meinrad Pfarrkirche, befindet sich direkt am Ortseingang von Radolfzell.

Wer es klassisch mag, sollte aber einen Besuch der Münsterkirche im Ortskern nicht versäumen. Auch hier kann man sich zusätzlich einen (Jakobsweg) Pilgerstempel in seinen Pilgerpass drucken.

Auf dem weiteren Weg Richtung Hegne finden umfangreiche Straßenbaumaßnahmen statt, aber der Radweg ist deutlich ausgeschildert und gut befahrbar.

In Hegne ist die Klosterkirche geschlossen, aber die Krypta der sel. Ulrika geöffnet und den Pilgerstempel bekommt man sehr einfach an der Klosterpforte.

Das letzte Stück auf die Insel Reichenau ist perfekt ausgebaut und sehr gut befahrbar. Da das Wetter (noch) sonnig war, sind wir alle 3 romanischen Kirchen nacheinander angefahren und haben uns den Pilgeraufkleber abgeholt. Der Rundweg ist wunderschön zu fahren und es gibt immer wieder großartige Aussichten und Fotomotive. Die Unterkunft „Haus Insel Reichenau“ hat eine optimale Lage und ist sehr zu empfehlen – wenn es denn nicht regnet…

4. Etappe von Reichenau nach Fischingen

Von Reichenau machten wir uns morgens direkt auf nach Konstanz, da wir nicht wussten, wie sich das Wetter entwickeln würde. Nach dem Dauerregen der Nacht waren mache Radwege wegen Überschwemmung nur bedingt befahrbar.

In Konstanz besichtigten wir zunächst die eindrucksvolle Münsterkirche und als wir wieder herauskamen, hatte es aufgehört zu regnen.

Nach dem Grenzübergang ließen wir den Bodensee hinter uns und radelten durch viele Obstplantagen nach Weinfelden. Die imposante nächste ev. Radweg-Kirche ist schon von weitem zu sehen und überrascht auch innen durch die intensive Farbgestaltung und den halbrunden Baustil.

Auf gut ausgebauten Wegen ging es bei einem Sonne/Wolken-Mix weiter Richtung Fischingen, wobei wir noch einen lohnenswerten Stopp an der letzten Radwegkirche vor dem Kloster in Lommis gemacht haben.

Das letzte Teilstück ging immer wieder leicht bergauf und wir waren froh, als das Kloster Fischingen endlich auftauchte, denn dahinter zogen wieder große dunkle Gewitterwolken auf….

5. Etappe von Fischingen nach Einsiedeln

Nachdem wir um 7:45 Uhr in der Idda-Kapelle den Pilgersegen bekommen haben, machten wir uns auf unsere letzte Strecke von Fischingen nach Kloster Einsiedeln. Aus dem Pilgerführer wussten wir, dass dies die schwierigste Etappe sein würde. Dennoch waren wir entspannt, da an diesem Tag zum ersten Mal die Wettervorhersage stabilen Sonnenschein prognostizierte.
Der erste Pass hat uns kurz nach dem Start dann schon richtig gefordert, aber die Aussicht am Ende des Anstiegs war grandios.

Nun ging es rasant den Berg wieder hinunter und wir waren so im Schwung, dass wir an der modernen St. Gallus-Kirche fast vorbeigeradelt wären. Nachdem wir den Pilgeraufkleber eingeklebt hatten, ging es einen wunderschönen Radweg stetig leicht bergab zu unserer nächsten Radwegkirchen in Oberbollingen.

Um auf den Radweg am Oberen Zürichsee zu gelangen, musste man erst ein Stück bis Schmerikon fahren, wo man dann die Bahngleise überqueren konnte, um dann auf der Seeseite nach Oberbollingen radeln zu können.

Die St. Meinrad-Kapelle liegt wunderschön zwischen grünen Wiesen direkt am See. Das anliegende Wirtshaus hat ein ausgezeichnetes Mittagsmenü und der Pilger-Aufkleber wurde uns ebenfalls unkompliziert ausgehändigt.

Nach nur wenigen Minuten Fahrzeit erreicht man die Klosterkirche Wurmsbach. Diese hatte zwar geöffnet, aber leider war der Pilgerstempel nirgendwo hinterlegt und da uns auch nach mehrmaligem Läuten keiner geöffnet hat, führen wir hier ohne Pilgernachweis weiter.

Gerne haben wir unsere Radtour an der Holzbrücke in Rapperswil unterbrochen und unsere Räder über den Steg geschoben – ein unvergleichliches Erlebnis!

Als wir dann allerdings am Ende der Brücke wieder auf unsere Räder stiegen, wurde es schwierig: der Verkehr in Pfäffikon freitagmittags ist an dem Nadelöhr über den See eine Katastrohe und wir waren froh, als wir sehr moderne Pfarrkirche erreicht hatten.

Hat man den Ort dann verlassen, gelangt man auf die stetig ansteigende Etzelstrasse, die herrliche Ausblicke zurück auf den See ermöglicht.

Dann erreicht man den Etzelpass und nun liegt die ganze Konzentration auf dem steilen Weg, der ohne E-Bike nur von extrem sportlichen Radfahrern bewältigt werden kann. Wenn man schon fast verzweifelt und glaubt, es nicht mehr zu schaffen, taucht vor der letzten Kerbe endlich die Meinrad-Kapelle auf – endlich oben!

Wie im Pilgerführer vorgeschlagen haben wir eine Kaffeepause im naheliegenden Gasthaus gemacht – was sich allerdings aufgrund der unzähligen Fliegen als ein weiterer Kampf um den Apfelkuchen entpuppte…

Nun ist es nur noch ein kleines Stück zu unserem Ziel: über die Teufelsbrücke, durch blühende Wiesen und am Sihlsee vorbei fährt man direkt auf das imposante Kloster Einsiedeln zu.

Wir sind eine wunderschöne Strecke ohne Panne oder Sturz gefahren, sind trotz 100% iger Regenwahrscheinlichkeit nie nass geworden und heil wieder zuhause angekommen.

Vielleicht hat jemand eine schützende Hand über uns ausgebreitet…