Rückblick auf den Meinradstag 2021 in Wort und Bild

22.01.2021

Bedingt durch den Zeitpunkt mitten im Winter hat sich der Meinradstag im Januar nie zu einem Pilgertrag entwickelt. Dieser Status kommt eher dem Meinradssonntag im Oktober zu, an welchem der feierlichen Reliquienübertragung von der Insel Reichenau nach Einsiedeln im Jahr 1039 gedacht wird. Darum ist der 21. Januar ein Fest, dass immer im familiären Rahmen gefeiert wird – ein Fest, das ganz den Bewohnerinnen und Bewohnern Einsiedelns gehört. Darum hat sich seit einigen Jahren der schöne Brauch etabliert, dass das Hochfest des heiligen Meinrad von Kloster und Pfarrei Einsiedeln gemeinsam gefeiert wird. Dazu versammeln sich die Pfarreiangehörigen zusammen mit der Klostergemeinschaft in der Klosterkirche, um in einem festlichen Gottesdienst gemeinsam des ersten Bewohners im «Finsteren Wald» zu gedenken.

Doch am diesjährigen Meinradstag war es anders: Pfarrei und Kloster mussten infolge der Beschränkung auf maximal 50 Mitfeiernde pro Gottesdienst getrennt feiern. Auch wenn deshalb die Gottesdienste in der sowohl in der Klosterkirche als auch in der Jugendkirche stattfanden: Im Gebet und in der Dankbarkeit für das Leben und Wirken des heiligen Meinrad war man trotzdem miteinander verbunden.

Einweihung eines neuen Reliquiars

Erfreulich war, dass dank des Livestreams trotzdem viele Menschen den Gottesdienst in der Klosterkirche mitfeiern konnten. Sie erlebten nach der von Pater Daniel Emmenegger gehaltenen Predigt einen besonderen Ritus mit Seltenheitswert: Abt Urban konnte ein neues Reliquiar einweihen, welches einen Knochen des heiligen Meinrad enthält.

Erfreulich war die Tatsache, dass der Schöpfer des Reliquiars zusammen mit seiner Gattin aus Luzern angereist ist, um diesen besonderen Moment vor Ort mitzuerleben. Glasmaler Christoph Stooss hatte bereits 2019 das Reliquiar für den heiligen Mauritius geschaffen, war aber damals für die feierliche Einweihung unabkömmlich.

Ein Leuchtturm des Glaubens

Das neue Reliquiar stand für die Segnung gut sichtbar auf dem Podium vor dem Chorgitter. Seinen definitiven Ort fand es nach der Feier jedoch beim «Meinradsaltar», der sich im Kirchenschiff gegenüber der Kanzel befindet. Das Reliquiar wird aber auch dort von den Interessierten und den Pilgerinnen und Pilgern, welche Einsiedeln auf dem Velopilgerweg MEINRADWEG erreichen, leicht zu finden sein. Denn das Innere des aus Metall und Glas bestehenden Gehäuses ist hell erleuchtet. So wird der Oberschenkelknochen des heiligen Meinrad schemenhaft erkennbar sein. Auf einer schwarzen Holzstele stehend erinnert das Reliquiar in gewissem Sinn an einen Leuchtturm. Diese Analogie ist durchaus intendiert, bezeichnet sie doch eine wichtige Aufgabe der als Heilige verehrten Menschen: den Weg zu weisen zu Gott.

Zeuge eines inkarnierten Glaubens

Die Heiligen spielen eine wichtige Rolle im christlichen Glauben. Sie sind weit mehr als nur Elemente einer im Wandel befindlichen Volksfrömmigkeit. Die Heiligen sind Zeugen des Glaubens, der konkret werden will. So wie im Christentum der Glaube an die Inkarnation (wörtlich: «Fleischwerdung») Gottes in Jesus Christus zentral ist, so zeigen die Heiligen, dass der Glaube ebenfalls in Fleisch und Blut übergehen soll und dass dies durchaus gelingen kann in einem Leben in Verbundenheit mit Gott und den Menschen. Der heilige Meinrad ist für uns in der Region Einsiedeln also weit mehr als nur der erste Bewohner, er ist der erste Christ!

Einladung, sich inspirieren zu lassen

Dass unzählige Menschen dem heiligen Meinrad nicht nur in diese Gegend, sondern auch im Glauben nachgefolgt sind, berührt etwas vom Geheimnis Einsiedelns. Möge der heilige Meinrad durch seine neue Präsenz in der Einsiedler Klosterkirche auch in Zukunft viele Menschen dazu ermutigen.

 

Die Feier in Bildern (Fotos von Jean-Marie Duvoisin, Einsiedeln):